Impuls zum 23. März 2025
Von Gerold König, pax christi-Bundesvorsitzender, Langerwehe
Umkehr und Veränderung – eine Herausforderung
Die vergangene Woche war geprägt von Diskussionen um die Entscheidungen, die in der Politik gefällt worden sind. Mit Protestaktionen vor dem Bundestag, mit Aktionen in den Diözesanverbänden, mit Briefen an die Abgeordneten haben viele von uns sie aufgefordert, zur Vernunft zu kommen, umzukehren und sich zu besinnen. Der Bundestag hat letztendlich einen Blankoscheck für mehr Rüstung und mehr Militarisierung ausgestellt. Alles unter dem Vorzeichen angeblicher Gefahren, die uns drohen, und der Sicherheit, die wir brauchen würden.
Ich sehne mich nach Frieden, ich sehne mich nach Gerechtigkeit. Bei allem Nachdenken über das aktuelle Zeitgeschehen ist mir ein Satz von Dietrich Bonhoeffer wieder einmal ins Gedächtnis gekommen:
„Frieden ist das Gegenteil von Sicherheit!
Sicherheiten fordern, heißt Misstrauen haben,
und dieses Misstrauen wiederum gebiert Krieg.“
Der Ruf nach Sicherheit ist dem Säen von Angst und Misstrauen gleichzusetzen. Anstatt in Alternativen zu denken und dem Frieden eine Chance zu geben, investieren wir in Aufrüstung und Abschreckung und gaukeln den Menschen Sicherheit vor.
Lied: GL 823, 1-4
Da wohnt ein Sehnen tief in uns
Das heutige Evangelium erzählt auf drastische Weise von der Umkehr, von der Notwendigkeit, sich zu besinnen: „Ihr werdet alle umkommen, wenn ihr nicht umkehrt.“
Evangeliumstext ( Lk 13,1-9)
Zu jener Zeit kamen einige Leute und berichteten Jesus von den Galiläern, deren Blut Pilatus mit dem ihrer Opfertiere vermischt hatte. Und er antwortete ihnen: Meint ihr, dass diese Galiläer größere Sünder waren als alle anderen Galiläer, weil das mit ihnen geschehen ist? Nein, sage ich euch, vielmehr werdet ihr alle genauso umkommen, wenn ihr nicht umkehrt. Oder jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms am Schilóach erschlagen wurden – meint ihr, dass sie größere Schuld auf sich geladen hatten als alle anderen Einwohner von Jerusalem? Nein, sage ich euch, vielmehr werdet ihr alle ebenso umkommen, wenn ihr nicht umkehrt. Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis: Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum gepflanzt; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine. Da sagte er zu seinem Winzer: Siehe, jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen? Der Winzer erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er in Zukunft Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen!
Auslegung
Alles braucht seine Zeit: auch die Umkehr. Drei Jahre lang hat der Feigenbaum keine Früchte getragen, nun soll er fallen. Hau ihn um – so die Aufforderung – er stört nur, er nimmt Platz weg, er bringt doch nichts.
So sind wir Menschen, schnell bei der Hand, mit vernichtenden Urteilen.
Aber: Der Winzer gibt dem Baum noch eine Chance: Lass ihn stehen, ich kümmere mich, ich lockere die Erde um den Stamm auf … lass uns warten.
Jesus spielt oft mit solchen Interventionen – manchmal auch paradoxen Interventionen. Jesus setzt oft einen anderen, einen überraschenden Akzent. Er ruft Menschen zu unvorhersehbaren, überraschenden Verhaltensweisen auf: Lass ihn stehen, gib ihm noch eine Chance. Der Winzer ist dem Herrn gegenüber unterlegen, der Schwächere. Dennoch widerspricht er dem Herrn: Aus der Schwäche heraus, Stärke zeigen. Das haben damals auch die Frauen in Belarus getan, die mit Blumen auf die Soldaten zugegangen sind.
Aus diesem Glauben heraus, diesem Wissen heraus, braucht es immer wieder Menschen, die neben allem politischen Denken und Handeln, christliche Grundlagen und Werte leben.
Deshalb müssen wir uns immer und immer wieder dem entgegenstellen und zur Umkehr auffordern.
Wir müssen unsere Sehnsucht nach Frieden herausschreien. Wir müssen Politiker zum Umdenken bewegen, ihnen klarmachen, dass der Ruf nach Sicherheit das Säen von Misstrauen und Angst ist.
Lied: GL 459, 1-4
Selig seid ihr….
Lasst uns nun Fürbitte halten
Der Schritt, einmal gefällte Entscheidungen zu überdenken, ist schwer. Sich einzugestehen, nicht richtig gehandelt zu haben, kommt Verlieren gleich.
Gib uns den Mut, anderen und uns selbst die Chance zur Umkehr zu geben und zu Fehlern zu stehen
Frieden ist das Gegenteil von Sicherheit – wir alle sehnen uns nach Frieden.
Gib den Menschen, die in Kriegsgebieten leben, die Hoffnung auf Frieden und Freiheit und begleite die Machthaber auf einen Weg der Umkehr.
Versöhnung und Gebet sind die tragenden Wurzeln für Frieden!
Es ist schwer, die versöhnende Hand anzunehmen oder auszustrecken.
Gib uns den Mut zu vergeben und die Bitte um Vergebung annehmen zu können
Manchmal scheint alles ausweglos. Wir sind oft frustriert und gekränkt wegen der Handlungen anderer. Wir verzweifeln an Entscheidungen, die wir uns anders gewünscht hatten.
Gib uns den Mut, nicht in Frustration und Kränkung auszuharren, sondern zu intervenieren, aufzustehen und zur Umkehr aufzurufen.
Lied: GL 468, 1-3
Gott gab uns Atem, damit wir leben
Gebet
In aller Welt beten Menschen in ihrer eigenen Sprache das Gebet, das uns alle verbindet
Vater unser im Himmel
geheiligt werde Dein Name
dein Reich komme
dein Wille geschehe
wie im Himmel, so auch auf Erden
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern
und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen
denn dein ist das Reich
und die Kraft
und die Herrlichkeit
in Ewigkeit
Amen
Lied: Dona nobis pacem
Segen
Guter Gott,
wir sehnen uns nach Frieden
und wir bitten dich um die Kraft deines Heiligen Geistes.
Wir brauchen diese Geistkraft so sehr:
als Hoffnung, nicht zu resignieren,
als Fantasie, neue und vielleicht auch ungewohnte Wege aufeinander zuzugehen,
als Ermutigung, Kopf, Herz und Hände zusammenzubringen.
Wir möchten mitfühlend sein mit den Menschen, die leiden.
Mitgefühl gilt für jeden Menschen,
unabhängig von Religion und seiner Nationalität.
Es braucht deinen größeren Geist der Verbundenheit.
Nur gemeinsam können wir die Zerstörung unseres Planeten
und die Selbstzerstörung der menschlichen Gemeinschaft aufhalten.
Nur gemeinsam können wir zum Frieden finden,
komme mit deiner Gnade und Barmherzigkeit,
öffne unsere Herzen und gib uns neuen Mut
(Religions for peace 2024)
So segne uns
Lied: GL 453, 1-4
Bewahre uns Gott, behüte uns Gott